Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

beim redaktionellen Sortieren und Bearbeiten der eingesendeten Beiträge sind im Rückblick der vergangenen Newsletter mehrere Tendenzen auffällig. Zum einen entwickeln die Innovationsgruppen eine stetig größer werdende Resonanz in der Öffentlichkeit, sei es durch Printmedien, Präsenzveranstaltungen oder durch andere Formate. Das ist mehr als ein Hinweis dafür, dass die Projektthemen auch von der Öffentlichkeit als wichtig und relevant wahrgenommen werden, und das obwohl die Resultate mit dem vermeintlich größten „Nachrichtenwert“ erst ganz zum Schluss, zum Projektende, veröffentlicht werden. Zum anderen gehen aus den Innovationsgruppen immer mehr Zwischenergebnisse oder thematische Studien hervor, die für sich genommen bereits interessante Forschungsresultate erbringen, jedoch für die Innovationsgruppen oft nur ein Zwischenschritt im Gesamtprozess darstellen.  
Der Newsletter ist ein passendes Medium, um beides zu transportieren und zu zeigen, dass der scheinbare Gegensatz zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit zwar herausfordernd, aber nicht unmöglich ist.

Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht
i.A. des Wissenschaftlichen Begleitvorhabens
Sebastian Rogga


Hinweis: Wir empfehlen die Betrachtung mit einem HTML-fähigen eMail-Client. Sollte es zu Darstellungsproblemen kommen, können Sie hier die PDF-Version und hier die Online-Version des Newsletters abrufen.

Die Themen im Einzelnen:

1. Neuigkeiten aus den Innovationsgruppen


2. Interview: 5 Fragen an... Regina Meyer und Sarah Schreiber von der Innovationsgruppe UrbanRural Solutions



3. Neuigkeiten aus dem Wissenschaftlichen Begleitvorhaben




4. Lesestoff: Über die Kraft des Visuellen in integrativen Prozessen: "Co-Create - Das Visualisierungsbuch" von Mathias Weitbrecht


5. Medienecho


6. Publikationen


7. Ausschreibungen


8. Termine

1. Neuigkeiten aus den Innovationsgruppen

APV-RESOLA: Installation der Agrophotovoltaik(APV)-Forschungsanlage und feierliche Einweihung

Nach eineinhalb Jahren Vorarbeit konnte im August 2016 die Installation der APV-Forschungsanlage auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche der Hofgemeinschaft Heggelbach beginnen.
Quelle: Fraunhofer ISE
Unter der Federführung von Tabea Obergfell  (Fraunhofer ISE) wurden wichtige Meilensteine wie „Erhalt der Baugenehmigung inklusive Baufreigabe“, „Entwicklung einer geeigneten Unterkonstruktion“ sowie „Errichtung der Anlage“ erreicht.
Gemeinsam mit dem österreichischen Solartechnikhersteller Hilber Solar konnten die Projektpartner Fraunhofer ISE, BayWa r.e. und Hofgemeinschaft Heggelbach eine Unterkonstruktion entwickeln, die an die spezifischen Gegebenheiten des Geländes und an die Bedürfnisse der Landwirte vor Ort angepasst ist. Durch die modulare Bauweise kann die Unterkonstruktion zukünftig mit minimalem Aufwand flexibel an andere Einsatzorte angepasst werden. Trotz einer leichten Verzögerung des Baubeginns konnte das Bauvorhaben pünktlich am 18. September 2016 fertig gestellt werden.
Quelle: Fraunhofer ISE
Die Einweihungsfeier fand gemeinsam mit dem “Tag der Offenen Tür“ der Hof-gemeinschaft Heggelbach statt. Neben vielen geladenen Gästen trotzten auch zahlreiche Bürgerinnen und
Bürger aus der Region dem kalten Nieselregen und nahmen die Gelegenheit wahr,  die Forschungsanlage aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen und mit den Projektpartnern ins Gespräch zu kommen. Nach den Grußworten von Vertretern aus Politik und Forschung am Vormittag konnten sich die Besucherinnen und Besucher am Nachmittag neben Fachvorträgen auch bei Führungen zur APV-Technologie und durch die Betriebseinrichtungen der Hofgemeinschaft Heggelbach umfassend über den landwirtschaftlichen Betrieb im Allgemeinen und das Forschungsprojekt APV-RESOLA im Speziellen informieren. Im Rahmen dieser Feierlichkeiten verlieh die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ dem Projekt APV-RESOLA die Auszeichnung „Ausgezeichneter Ort 2016“.


Mit „Design Thinking“ zur Innovation – Neuigkeiten aus der Innovationsgruppe AUFWERTEN

Quelle: C. Böhm
Vom 27. bis 29. September trafen sich erneut die Mitglieder Innovationsgruppe AUFWERTEN, um sich über den Fortschritt der Projektarbeit aus zu tauschen. Gastgeber des bereits 10. Innovationsgruppentreffens war diesmal das Umweltbildungszentrum des NABU-Regionalverbandes Senftenberg. Ein zentrales Thema stellte diesmal das Format des Innovationskonzeptes dar. Unter Anleitung von Georg Nawroth vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation sammelten die am AUFWERTEN-Projekt Beteiligten Ideen zu geeigneten Formaten, um das Innovationskonzept zielgruppenorientiert an den Mann bringen zu können. Vorgegangen wurde dabei nach der Methode des Design Thinkings. Die Frage wie Agroforstwirtschaft als Landnutzungsinnovation auch nach Ende des Projektes AUFWERTEN in die praktische Umsetzung gelangen kann, spielt bei der Erstellung des Innovationskonzeptes eine zentrale Rolle.
Quelle: C. Böhm
Am 29. September war dann der Fachbeirat der Innovationsgruppe AUFWERTEN zu Gast. Auch an diesem Tag standen die Arbeiten zum Innovations-konzept im Mittelpunkt. Weitere Themen, die zusammen mit den Vertretern
des Fachbeirates diskutiert wurden, waren konkrete Fragen zu einzelnen Forschungsaspekten sowie zielführende Kommunikationspraktiken für eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit .


Sollten Landwirte Bäume anbauen? - Diskutieren Sie mit über Nutzen und Chancen von Bäumen in der Landwirtschaft beim 5. Forum Agroforstsysteme
Agroforst als multifunktionale Form der Landnutzung bietet zahlreiche Vorteile für den Schutz der Ressourcen Boden und Wasser, ist insbesondere in großflächigen Agrarlandschaften für eine Vielzahl von hier lebenden Arten förderlich und leistet einen vielversprechenden Beitrag für den Klimaschutz. Die Synergieeffekte zwischen Gehölzen und Ackerkulturen ermöglichen die langfristig orientierte Gestaltung leistungsfähiger und profitabler Agrarsysteme. Ungeachtet der Vorteile existieren derzeit jedoch auch viele Hürden, die einer verstärkten praktischen Umsetzung von Agroforstflächen entgegenstehen.

Das ausführliche Programm der Veranstaltung finden Sie hier.

Quelle: AUFWERTEN
Das 5. Forum Agroforstsysteme, das vom 30.11. bis 1.12.2016 in Senftenberg stattfindet, soll genutzt werden, um neue Ergebnisse aus Praxis und Wissenschaft zu dieser vielversprechenden Form der Landnutzung vorzustellen und umsetzungsrelevante Fragen mit Ihnen zu diskutieren. Veranstalter des 5. Forums Agroforstsysteme sind die Innovationsgruppe AUFWERTEN (www.agroforst-info.de) und das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg (MLUL).


Ahrweiler hat Potenzial - Neues aus dem Projekt EnAHRgie
Im Kreis Ahrweiler stellt man sich aktuell der Aufgabe, Potenziale, Herausforderungen und Chancen einer lokalen Energieversorgung zu bestimmen, um ein nachhaltiges und mit den Regionalakteuren abgestimmtes Konzept zur Energiewende im Landkreis zu formulieren. Dazu wurde von März 2015 bis April 2016 unter Beteiligung des Landkreises, der Kommunen, Unternehmen und Banken, lokaler Verbände und Vereine sowie Bürgerinnen und Bürgern zunächst der Status Quo ermittelt.

Ende September 2016 wurde der Bericht nun der Öffentlichkeit präsentiert (einsehbar ist er unter: http://www.enahrgie.de/news/pm-status-quo/ ). Dargestellt werden darin unter anderem die energetischen Potentiale im Landkreis, aber auch Hemmnisse, die einem Ausbau Erneuerbarer Energien entgegenstehen. Auch die gesellschaftlichen Chancen und Hindernisse wurden umfassend analysiert. Außerdem bietet der Bericht einen Ausblick auf die nun kommenden Arbeitsschritte im Projekt.

Zeitnah wird darüber hinaus ein zusätzlicher Bericht veröffentlicht, in welchem die Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage im Kreis Ahrweiler detailliert erläutert werden. Näheres erfahren Sie zu gegebener Zeit auf http://www.enahrgie.de/

Die Energiewende vor Ort konkretisieren

Um die lokale Energiewende im Landkreis Ahrweiler bereits während des Forschungsprojektes praktisch anzuschieben, hat EnAHRgie lokale Akteure eingeladen, konkrete Fallstudien vorzuschlagen. Aus mehr als 30 Vorschlägen wurden anhand von wissenschaftlichen Kriterien vier ausgewählt, die nun gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort konkretisiert werden. Die ausgewählten Fallstudien decken ein breites Spektrum an Technologien und Anwendungen der lokalen Energiewende ab. So werden PV-Speicher-Lösungen für Privathaushalte betrachtet, für eine energetische Stadtquartiersentwicklung die Bevölkerung eingebunden, Energieeffizienz und Vernetzung von Unternehmen gefördert und kommunale Windkraftprojekte begleitet. „Auch viele der anderen Vorschläge werden wir weiterverfolgen und die Kontakte intensivieren“, betont EnAHRgie-Projektleiter Dr. André Schaffrin.

Wenige Tage vor Veröffentlichung des Status Quo-Berichtes hatte das Projekt EnAHRgie die Möglichkeit, sich auf dem "Solarfest Sinzig" zu präsentieren. Im Rahmen der Aktionswoche „Rheinland-Pfalz – ein Land voller Energie“ der Energieagentur Rheinland-Pfalz wurden Erneuerbare Energien u.a. durch Segway-Parcours, Elektrofahrzeuge, Solarmodule und dazu passende Speicher erlebbar. Ergänzend dazu beriet die Kreissparkasse Ahrweiler zur KfW-Förderung und die Energieversorgung Mittelrhein AG (evm) zum Produkt „SonnenSpeicher“. Außerdem gab es eine kleine Vortragsreihe, in der unter anderem Dr. André Schaffrin über „Photovoltaik und Batteriespeicher als Bausteine der lokalen Energiewende“ sprach.


Verbraucher kritisieren Kükentötung in der Geflügelhaltung – wissen jedoch wenig über Alternativen
Obwohl das Töten männlicher Eintagsküken der Legehybriden in letzter Zeit oft durch die Presse ging, ist bisher noch wenig darüber bekannt, was Verbraucher_innen dazu wissen und darüber denken. Deshalb wurde im Rahmen des Projektes ginkoo im Frühjahr 2016 eine repräsentative quantitative Befragung zu tierethischen Aspekten und zum Tierwohl in der Geflügelhaltung sowie zum Kaufverhalten durchgeführt. Dazu wurden 1.000 Verbraucher_innen ab 18 Jahren in Berlin und Brandenburg durch ein Meinungsforschungsinstitut telefonisch interviewt. Der am Institut für Sozioökonomie des ZALF entwickelte Fragebogen beinhaltete Fragen zum Kenntnisstand und zur Einstellung der Verbraucher_innen zum Tierwohl in der Geflügelhaltung, zum „Kükentöten“ und zum Alternativkonzept Zweinutzungshuhn. Darüber hinaus wurden auch das Konsumverhalten (Eier und Geflügelfleisch) und eine potentielle Zahlungsbereitschaft von Zweinutzungshuhn-Produkten abgefragt.
Die Studie bestätigte, dass das Thema „Kükentöten“ bei Berlinern und Brandenburgern weitestgehend bekannt ist. Aber die überwiegende Mehrheit schätzt diese Praktik als sehr problematisch ein.
Quelle: L. Wortmann
Die Alternativen zum „Kükentöten“, wie die Geschlechtererkennung im Ei oder die Haltung und Vermarktung von Zweinutzungshühnern kennen dagegen nur wenige. Über 80 % der Befragten hatten bis zur Befragung noch nie etwas von Zweinutzungshühnern gehört. Dennoch scheint für die Verbraucher_innen darin ein großes Potential zu liegen, was noch besser ausgeschöpft werden könnte. Viele gaben an, dass sie an weiteren Informationen interessiert sind, und mehr Produkte von Zweinutzungshühnern kaufen wollen.

Eine vertiefende Analyse der erhobenen Daten steht noch aus.


Besser kommunizieren in Projekten: INOLA lädt zum Weiterbildungsseminar für die Innovationsgruppen ein

Die Innovationsgruppe INOLA lädt im Rahmen der Seminarreihe am Donnerstag, den 24. November 2016, zur Veranstaltung mit dem Titel „Zwischen Strategie und sozialem Prozess: Neue Impulse für die Kommunikation von Projekten“ interessierte Teilnehmende anderer Innovationsgruppen nach München ein. Das Seminar wird gemeinsam mit der Agentur Gröschel_Geheeb und dem Projekt render durchgeführt.Das Seminar wird sich hauptsächlich mit Fragen der Projektkommunikation befassen, von Erfahrungen berichten und


  1. die Bedeutung und Rolle von Kommunikation für die Arbeit von transdisziplinären Forschungsverbünden diskutieren;
  2. anhand von Beispielen aus der Praxis die Rolle von Kommunikation für Stadt- und Gemeindewerke, die für INOLA (sowie zwei weitere Innovationsgruppen) wichtige Praxispartner darstellen, thematisieren;
  3. von INOLA entwickelte Formate und Produkte zur Energiewendekommunikation für Kommunen vorstellen;
  4. und den Teilnehmenden die Möglichkeit bieten, neue Ansätze der Kommunikation in Praxisübungen zu erproben.

Neben den Innovationsgruppen sind Vertreter der regionalen Stadt- und Gemeindewerke aus der INOLA-Begleitgruppe eingeladen, um den Kreis der Praxispartner zu erweitern und um den Austausch zwischen und mit den Praxispartnern anzuregen.Das Seminar findet im Zentrum von München (5 Minuten vom Hauptbahnhof) am Department für Geographie, Luisenstr. 37 statt.

Bei Teilnahmewunsch wird gebeten, den Anmeldebogen bis spätestens 03.11.2016 an Alisa.Utz@campus.lmu.de zu senden. Für externe Interessierte, die nicht an eine der Innovationsgruppen angebunden sind, ist die Veranstaltung nicht zugänglich.

Das detaillierte Veranstaltungsprogramm können Sie hier einsehen.


Moore im Kontext von Natur- und Denkmalschutz
Ein Arbeitstreffen im Rahmen des Projektes Regiobranding in der Fokusregion Steinburger Elbmarschen

Moore sind bedeutende Kultur-, Landschafts- und Klimaarchive. Die wassergesättigten Torfböden besitzen einzigartige Erhaltungsbedingungen für organische Materialien, wie zum Beispiel Moora, Deutschlands berühmteste Moorleiche, eindrucksvoll beweist. Als reiche archäologische Fundplätze bieten Moore einen faszinierenden Einblick in unsere Geschichte von der Steinzeit bis ins vorindustrielle Zeitalter. Wenn sie von Landnutzungen verschont bleiben, stellen sie einen ursprünglichen, naturnahen Landschaftsraum und identitätsstiftenden Bestandteil unserer Kulturlandschaft dar.

Im Rahmen des Projektes Regiobranding trafen sich am 04.10.2016 Vertreter und Experten aus den Bereichen der archäologischen Denkmalpflege, der Forschung, des Tourismus und des Naturschutzes in Itzehoe, um über das Management von Mooren im Kontext von Natur- und Denkmalschutz zu diskutieren. Im Vordergrund standen dabei sowohl die Sensibilisierung für das archäologische Erbe in den Mooren als auch dessen Berücksichtigung im Zuge von Landnutzungs- und Naturschutzmaßnahmen, wie z. B. Torfabbau oder Wiedervernässung.
Ein ganzheitlicher und nachhaltiger Umgang mit der Ressource „Moor“ ist auch Grundvoraussetzung, um zukünftige Inwertsetzungen und Markenbildungsprozesse zusammen mit den Menschen in der Region
Quelle: C. Weltecke
anschieben und entwickeln zu können. Übergreifendes Ziel sollte dabei immer ein Interessenausgleich zwischen der Entwicklung von Mooren als erlebbarem Naherholungsziel, ihrer Vermittlungsfunktion und dem Erhalt von Mooren als naturnahen Landschaftsraum, wichtigen CO2-Speicher und bedeutende Ressource zukünftiger archäologischer Forschung sein. Die Zwischenergebnisse der Grundlagenerhebungen in den Steinburger Elbmarschen durch Falco Knaps stützen zudem die Annahme, dass Moore als identitätsstiftendes und schützenswertes Kulturlandschaftscharakteristikum wahrgenommen werden.
Quelle: C. Weltecke
Impulsvorträge zu den Themen der „Moorarchäologie als Norddeutsches Alleinstellungsmerkmal“, der „Moorarchäologie am Beispiel Niedersachsens“ sowie des „Kulturellen Erbes 

im Moor als denkmalpflegerische Herausforderung“ als auch eine durch die Untere Naturschutzbehörde (UNB) geleitete Exkursion in das Herrenmoor bei Kleve ermöglichten eine konstruktive und informative Diskussion zwischen den beteiligten

Akteuren des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein (ALSH), der UNB des Kreises Steinburg, des Landesamtes für Umwelt und ländliche Räume (LLUR), des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA-SH) sowie des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA).

Ausgangspunkt der Diskussion war eine diesjährige Rettungsgrabung im Satrupholmer Moor. Problematisch dabei war vor allem die fehlende Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen Naturschutz- und Denkmalschutzbehörden. So konnte nicht verhindert werden, dass die von der UNB als Ausgleichsmaßnahme genehmigte Anlage eines Kleingewässers durch den Landbesitzer erheblich die Stratigraphie und Funde eines Siedlungs- und Jagdplatzes aus dem 7. Jahrtausend v. Chr. zerstörte. Aufgrund der weitreichenden Zerstörungen mussten die Archäologen vor Ort die noch vorhandenen wertvollen, u.a. organischen Fundreste unter schlechtmöglichsten Bedingungen bergen.Alle Akteure waren sich einig, dass Fälle wie diese in Zukunft durch folgende Maßnahmen verhindert werden können:


  • Angebot von Seminaren und Schulungsmöglichkeiten mit Fokus auf ein fächerübergreifendes Management von Mooren,
  • Stärkung der Bewusstseinsbildung für das archäologische und landschaftliche Erbe von Mooren durch Informationstreffen, digitale Informationssysteme (kuladig.de) und Veröffentlichungen,
  • Verbesserung der zwischenbehördlichen Abstimmungsprozesse.
Vor diesem Hintergrund wurden weitere, vergleichbare Veranstaltungen verabredet.


Neuigkeiten aus der Innovationsgruppe REGIOBRANDING
Im Juli führte das Projekt REGIOBRANDING eine Statuskonferenz in Hamburg-Wilhelmsburg durch. Dort wurden die bisherigen Ergebnisse der Forschung und der Praxis vorgestellt – ein wichtiger Meilenstein des Projektes nach knapp zweijähriger Laufzeit!
Quelle: C. Blaumann
Über 80 Teilnehmer*innen aus der Metropolregion Hamburg, anderen deutschen Regionen und sogar aus Finnland ließen sich über die neuesten Forschungsergebnisse zum Regiobranding und Fortschritte des Projektes informieren. Die Resonanz in der Presse und ein Radiobeitrag im NDR1 MV Kulturjournal zeugen von einer gelungenen Veranstaltung.

„Danke für den anregenden kreativen Tag!“

Direkt im Anschluss an die Statuskonferenz gestaltete das Projekt ein Tagesseminar für alle Innovationsgruppenprojekte der Fördermaßnahme zum Thema „Co-Produktion von Wissen und kreative Wissensverarbeitung“. In parallelen Gruppen konnten die Teilnehmer*innen Methoden und Werkzeuge für die gemeinsame Wissensaneignung und -verarbeitung ausprobieren und sich über verschiedene Herangehensweisen und deren Eignung für eigene Projektaufgaben austauschen. Das Feedback der Teilnehmer und Teilnehmerinnen fiel dabei sehr positiv aus. Die Dokumentation zu beiden Veranstaltungen ist auf der Projektwebseite zugänglich (http://regiobranding.de/veranstaltungen2).
Quelle: C. Blaumann
Neben den eigenen Projektveranstaltungen nehmen die Projektpartner*innen auch regelmäßig an externen Fachveranstaltungen und Konferenzen teil, auf denen sie das Projekt und deren Ergebnisse vorstellen.
So präsentierte Falco Knaps (wiss. Mitarbeiter am Institut für Umweltplanung der Leibniz Universität Hannover) im Juni 2016 auf der North America Conference der Regional Studies Association zum Thema „Cities and regions: Managing Growth and Change“ seine Arbeiten über „Cultural Markers to Characterize Regional Identity for Planning and Decision Support“. Thorsten Becker und Frank Andraschko (wiss. Bearbeiter am Archäologischen Instituts der Universität Hamburg) zeigten auf der 6. Tagung zur Regionalgeschichte im Juli in der Ludwigsluster Stadthalle, dass sich durch Archäologie regionale Besonderheiten und touristische Anziehungspunkte herausstellen lassen, die als Alleinstellungsmerkmal genutzt werden können (http://www.gedenkstaetten-woebbelin.de/cms/index.php/mgw-newsreader/items/Tagung_Arch%C3%A4ologie_Ged%C3%A4chtnis.html).

Ines Lüder, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Entwerfen und Städtebau der Leibniz Universität Hannover, wurde eingeladen, das Projekt REGIOBRANDING auf der Konferenz „Innovationen auf dem Land – Planerische Impulse für Bauten, Orte und Regionen im Ländlichen Raum“ (13./14.10.2016; in Baiersbronn; Link zur Veranstaltung) vorzustellen. In der Arbeitsgruppe „Gemeinsam kreativ: Neue Ideen für ländliche Räume“ präsentierte und diskutierte sie mit den Teilnehmenden Ziele, Forschungsfragen und innovativen Aspekte des Projektes und ging dabei auch auf vielfältige Herausforderungen sowie Faktoren ein, die aus Sicht von REGIOBRANDING von besonderer Bedeutung sind. Dazu zählen u.a. die Wichtigkeit der Nutzung bestehender Netzwerke in den Regionen, die persönlichen Ansprache von Bürgern sowie die Relevanz und Verschiedenheit von Werten und Werthaltungen.


Strom und Wärme koppeln
Nachbetrachtung der Informationsveranstaltung zur Kraft-Wärme-Kopplung  in der StädteRegion Aachen
Am 21. September 2016 fand im Rahmen des render-Verbund­projektes und in Kooperation mit der Energieagentur NRW eine Informations­veranstaltung in Stolberg – eine von 10 Städten und Gemeinden der StädteRegion Aachen – statt.
Quelle: StädteRegion Aachen
Unter der Überschrift „Kraft-Wärme-Kopplung in der StädteRegion Aachen – Eine wirtschaftliche Investition für Unternehmen und Investoren?“ fanden sich 40 interessierte Gäste, darunter Architekten, Planer, Handwerker und potenzielle Investoren im gründerzeitlichen Ambiente des Zinkhütter Hofes ein.Die technologieerfahrenen Referenten präsentierten u.a. gesetzliche Rahmenbedingen und Fördermöglichkeiten, wirtschaftliche Bewertung und Machbarkeit, technische Möglichkeiten und deren Umsetzung sowie aktuelle Entwicklungen des KWK-Ausbaus. Gleichzeitig konnten die Referenten auch ihre persönlichen Erfahrungen sowie Einschätzungen zur Zukunft der KWK-Nutzung weitergeben.Zum Abschluss der Veranstaltung standen alle Referenten dem interessierten Publikum für Fragen und Diskussionen rund um die Themen Energieversorgung und Kraft-Wärme-Kopplung zur Verfügung. Hier wurde im gemütlichen Beisammensein mit Snacks und Getränken ausgiebig diskutiert, neue Kontakte geknüpft, aber auch schon konkrete Projektideen besprochen.Die Vorträge können demnächst unter http://wordpress.regionaler-dialog-aachen.de/download heruntergeladen werden.


Revitalisierung einer Auenwiese durch Mahdgutübertrag und Einsaat
Bereits seit Winter 2015/2016 liefen die Vorbereitungen zur naturschutzfachlichen Aufwertung einer Auenwiese an der Parthe bei Leipzig-Plaußig. Gemeinsam mit dem ortsansässigen Agrarbetrieb Saat-Gut Plaußig Voges KG und unterstützt durch freiwillige Helfer konnte die Maßnahme im September initiiert werden.
Hierfür wurde zunächst der Boden in fünf bis zehn Meter breiten Streifen umgebrochen und mit einer gebietsheimischen, auf den Standort angepassten Blühmischung eingesät.
Quelle: F. Etterer
Abschließend erfolgte auf den Streifen die Verteilung von Mahdgut aus einer angrenzenden Biotopfläche. Die Maßnahme wurde öffentlich bekanntgegeben und mehrere Bürger folgten dem Aufruf zur Mithilfe bei der Verteilung des Mahdguts.
Quelle: S. Fritzsche
Eigentlich sind sogenannte Flachlandmähwiesen prägend für die Parthenaue. Ihr vergleichsweise guter Zustand führte auch zur Unterschutzstellung der Aue als FFH-Gebiet.
Jedoch ist hinsichtlich der naturschutzfachlichen Qualität dieser Flächen ein negativer Trend zu beobachten. Im Rahmen von stadt PARTHE land wird daher erprobt, wie diese Wiesen wieder aufgewertet werden können und ihre naturschutzkonforme Bewirtschaftung gefördert werden kann. Darüber hinaus wird auch geprüft, ob derartige Revitalisierungsmaßnahmen auch als Kompensationsmaßnahmen im Sinne der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung angerechnet werden können.


3. Parthelandküche zu „Obst in der Kulturlandschaft“ – ein kurzer Rückblick
Dass Obst gesund ist, wissen wir alle, aber unsere Obstwirtschaft ist längst zu einem ausdifferenzierten Wirtschaftszweig geworden. Alte Obstgehölze, die noch mitten in der geteilten Landschaft zu finden sind, werden kaum erneuert oder beerntet, Birne und Apfel wandern in die Plantage ab. Unterdessen versuchen junge Initiativen, das noch vorhandene Obst wieder zu nutzen oder neue Gehölze vor die Haustür zu holen. Lokale Nahrungsmittelhersteller machen sich unterdessen Gedanken über die Veredlung heimischen Obstes als Cidre.

Welche Erfahrungen bei der Nutzung „kulturlandschaftlichen Obstes“ gibt es in der Parthenaue? Wie arbeiten die alten Mostereien und Obstbauern? Wo sind noch alte Bestände, wo können neue mit einer sinnvollen Perspektive auf Bewirtschaftung angelegt werden? Wer hält Flächen dafür bereit? Macht die Gründung einer Obstgenossenschaft Sinn oder entsprechen eher spontane Nutzungen dem Geist der Zeit? Denn: Obst macht auch Arbeit, vom Baum bis zum Griebsch. Wer investiert diese?

Die dritte und somit letzte Parthelandküche im Jahr 2016 widmete sich voll und ganz dem Thema Obst im Partheland. An einem heißen Spätsommertag (11. September) trafen sich im Alten Kranwerk ca. 20 Personen um sich mit den Perspektiven von Landschaftsobst auseinanderzusetzen. Fachlichen Input zu neuen Ökonomien aus altem Obst gab es zunächst durch Björn Burmeister und Sebastian Pomm, die aktuell an einem Gutachten zu diesem Thema für stadt PARTHE land arbeiten. Trotz des Fehlens wichtiger Akteursgruppen, entstanden in der Diskussionsrunde verschiedene Ideen, die für die weitere Bearbeitung aufgegriffen wurden.

Ein Tagebucheintrag zur Veranstaltung wird in Kürze auf stadtpartheland.de veröffentlicht.

2. Interview: 5 Fragen an... Regina Meyer und Sarah Schreiber von der Innovationsgruppe UrbanRural Solutions

Informationen zu den Interviewten:
Regina Meyer ist seit November 2012 Demografiebeauftragte des Landkreises Göttingen und seit 1.11.2016 Leiterin des Referates Demografie und Sozialplanung. Sie arbeitet zusammen mit Netzwerken und Akteuren an einer Gesamtstrategie für die Bewältigung des demografischen Wandels im Landkreis.
Sarah Schreiber ist  ebenfalls im Referat Demografie und Sozialplanung angesiedelt. Sie ist als Projektmanagerin mit der Bearbeitung der Innovationsgruppe Urban Rural Solutions betraut.
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Sehr geehrte Frau Meyer, sehr geehrte Frau Schreiber, laut eigenem Webauftritt des Landkreises Göttingen stellt der Demografische Wandel eine große Herausforderung, aber auch eine große Chance dar. Welche konkreten Chancen ergeben sich denn für Ihre Region – insbesondere mit Blick auf die Daseinsvorsorge?

Meyer
: Der sozio-demografische Wandel kann als Chance genutzt werden, wenn wir das Alter als gewonnene Lebensjahre persönlich und gesellschaftlich wertschätzen. Die historisch neue Lebensphase der „jungen Alten“ (60-80jährigen) braucht eine neue gesellschaftliche Rahmung und Aufgabe. Sie stellt ein wachsendes Potenzial dar. Die Gruppe der „alten Alten“ (80-100jährigen) kann reichhaltiges Erfahrungswissen weitergeben, braucht aber auch zunehmend Hilfestellung. Vor Ort in den Dörfern und Stadtteilen kann die Idee der „Sorgenden Gemeinschaft“ den Zusammenhalt und die Versorgung der Menschen mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen und Bedürfnissen sichern helfen.

Das Projekt „Dorfmoderation Südniedersachsen“ verfolgt diese Idee mit konkreten Fortbildungen und der Verstetigung von Dorfprozessen: Freiwillige Dorfteams werden in Fragen der Dorfanalyse, Projektentwicklung, Vernetzung und der Moderation von Dorfversammlungen fortgebildet. Zusammen mit den gewählten Gremien stoßen sie Prozesse und Projekte in ihren Dörfern an. Unterstützt werden sie dabei von Professionellen in ihrer Kommune und auch der Landkreis steht parat.

Eine Vernetzung unter den verschiedenen Freiwilligen in den Dörfern (Nachbarschaftshilfen, Seniorenkreise, Jugendgruppen, Vereine, Kirchen etc.) und mit den Profis der verschiedenen Themenbereiche (Jugendarbeit, Altenhilfe, Integration, Inklusion, Regionalentwicklung u.v.a.) sorgt für feste Ansprechpartner, Problemlösungen und Verstetigung. Alle Alters- und Bevölkerungsgruppen werden in den Dorfprozess einbezogen, konkrete Projekte wie der Mittagstisch in einem multifunktionalen Begegnungszentrum werden gemeinsam umgesetzt.

Für das Gelingen ist besonders die Ansprache junger Menschen und im Dorf bislang nicht aktiver Personen wichtig.

Stadt-Land-Kooperationen spielen im Projekt UrbanRural Solutions (UR) eine Schlüsselrolle. Warum kommen solche Kooperationen – wenn überhaupt – so zögerlich zustande? Und welche Faktoren werden dabei, Ihrer Meinung nach, in ihrer Bedeutung prinzipiell unterschätzt?


Schreiber
: Aus Angst vor Schrumpfung und möglichen Konkurrenzen zwischen Gebietseinheiten. Mit unserer auf Konkurrenz basierten Marktwirtschaft geht auch ein Wettbewerb zwischen Städten und Gemeinden einher, um EinwohnerInnen, Fachkräfte und Unternehmen. Die Gründe für ein Schrumpfen der ländlichen Gemeinden: ReUrbanisierung, der demografische Wandel, ja auch unser Wirtschaftssystem an sich, sind für politische EntscheiderInnen schwer greifbar.

Demografische, versorgerische und finanzielle Wechselwirkungen zwischen „Stadt“ und „Land“ räumlich zu untersuchen, halte ich hier für wichtig. Dies wollen wir mit UR versuchen ein Stück weit darzustellen und somit den Kommunen helfen, die „richtigen“ Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.

Ein Kernergebnis, das Sie sich aus der Zusammenarbeit bei UrbanRural Solutions erhoffen, ist ein sogenannter „Daseinsvorsorgeatlas“ für die Region. Können Sie uns ein paar Details dazu geben? Was soll der Atlas können und wer soll ihn benutzen?

Schreiber:
Mit dem interaktiven Daseinsvorsorgeatlas – einer Geoinformationsbasis – soll die Versorgung in der Region in Form von Karten und anderen Darstellungen veranschaulicht werden. In ihm werden Einrichtungen der Daseinsvorsorge (z. B. Arztpraxen, Lebensmittelmärkte oder Schulen) kleinräumig verortet und Analysen mit Hilfe geeigneter Indikatoren, u. a. zur Erreichbarkeit, durchgeführt.

In der Praxisregion Göttingen – Osterode am Harz soll der Daseinsvorsorgeatlas zu einem regionalen Demografiemonitoring ausgebaut werden. Damit soll die im Demografiebericht des Landkreises geforderte, bessere Datengrundlage, gewährleistet werden.

Wenn Sie vom Optimalfall ausgehen: Welche Effekte könnten die Ergebnisse von UrbanRural Solutions (UR) in Ihrer Region auslösen?

Schreiber:
Insofern ein Demografiemonitoring installiert wird, hätte der Landkreis Göttingen eine Statistikstelle, die für die Verwaltung sowie die kreiseigenen Gemeinden und Städte aktuelle Einwohner- und Versorgungsdaten bereitstellt.

Darüber hinaus wünschen wir uns, dass städtische und ländliche Kommunen durch UR gemeinsam regionale und soziale Planungen mit dem Daseinsvorsorgeatlas durchführen. Es sollen beispielhafte Kooperationen, bspw. in der Versorgung mit Gesundheits-einrichtungen und sozialen Einrichtungen, zwischen diesen Kommunen angestoßen werden, um den zukünftigen demografischen und finanziellen Herausforderungen bereits heute nachhaltig begegnen zu können.

Zum Abschluss noch eine provokante Frage: Wann wird es Demografiebeauftragte in Landkreisen und Kommunen eigentlich nicht mehr brauchen?

Meyer:
Demografiebeauftragte sind ein junges Phänomen der letzten 15 Jahre. Es geht um eine Anpassung unserer Gesellschaft an die großen Veränderungen: Bevölkerungsrückgang, drastische Veränderung im Verhältnis der Altersgruppen, Ungleichwertigkeit zwischen städtischen und ländlichen Räumen, Entwicklung der Wohnungspreise, Auseinanderdriften von Arm und Reich, Wanderungsbewegungen.

Das alles ist nicht wirklich prognostizierbar. Teile der Gesellschaft reagieren mit Verunsicherung – geschürt von gezielter Angstmache. In dieser Situation kann die/der Demografiebeauftragte eine Politik der Zuversicht und des Ausgleichs unterstützen.

Demografiebeauftragte werden dann eine Perspektive haben, wenn sie sich als strategische Analyse- und Beratungsstelle bewähren, die innerhalb und außerhalb ihrer Verwaltung mit einem vernetzenden Querschnittsblick Problemlösungen liefern – sozusagen als „Zukunftsbüro“.

Wir danken für das Interview.

3. Neuigkeiten aus dem Wissenschaftlichen Begleitvorhaben

Reif für die Praxis?
Discussion-Paper des Wissenschaftlichen Begleitvorhabens zu Reifegraden transdisziplinärer Lösungen erschienen
Die Arbeit an Systemlösungen konfrontiert die Projekte des Förderschwerpunkts mit diffusen Innovationsprozessen. Diffus deswegen, weil Systemlösungen immer aus mehreren Einzelelementen bestehen, die aufeinander abgestimmt sein müssen. Dabei variieren sie in inhaltlicher, zeitlicher und räumlicher Ausdehnung. Außerdem zielen Systemlösungen auf institutionelle, soziale oder soziotechnische Innovationen ab, die schwerer zu fassen sind als etwa rein technische. Dem entgegen steht ein hoher Positionierungsbedarf: „Wo stehen wir mit unserer Innovationsarbeit?“ oder „Wie ausgereift ist unsere Lösung bis jetzt?“ Zu wissen, wo im Innovationsprozess man steht, hilft dem Projektmanagement bei strategischen Entscheidungen: „Welchen Schritt müssen wir als nächstes gehen, um unsere Lösung weiter in die Umsetzung zu bringen?“
Das Wissenschaftliche Begleitvorhaben hat sich dieses Themas angenommen und stellt in einem Arbeitspapier die groben Züge des „Solution Readiness Level“ (SRL) vor. Die Skala versteht sich als Adaption des Technology Readiness Level aus der Technikentwicklung für transdisziplinäre Forschungsprojekte, die an Systemlösungen arbeiten.
Es soll die Bestimmung der Reifegrade der erarbeiteten Lösungen erleichtern und damit einen strategischen Mehrwert herstellen.

Die SRL-Systematik definiert neun Reifegrade von Systemlösungen, beginnend bei der Grundlagenforschung bis hin zur Marktreife. Besondere Beachtung schenkt sie regionalen und institutionellen Aspekten sowie der Funktion von Prototypen. Jeder Reifegrad ist unterlegt mit Indikatoren, möglichen Ergebnissen und jeweiligen Wirkungen transdisziplinärer Projekte in die Praxis hinein.

Erste Feedbacks aus den Innovationsgruppen ermuntern uns dazu, weiter am Solution Readiness Level zu arbeiten. In einem nächsten Schritt werden wir testweise versuchen, die jeweiligen Innovationsgruppen in dieser Skala zu verorten, um die Plausibilität und Aussagekraft möglicher Indikatoren zu verbessen.


Erwartungsmanagement, Konfliktmanagement und Praxisschnittstellen - drei neue Service-Paper um den Schwerpunkt Transdisziplinarität erschienen
Die Service-Reihe ist um einen Schwerpunkt zum Thema Transdisziplinarität erweitert worden, der drei Beiträge umfasst. Der erste Beitrag widmet sich dem Erwartungsmanagement. Er geht auf Ursachen und Folgen unterschiedlicher Erwartungen ein und schlägt vor, sie auch als Ressource zu verstehen. Das zweite Paper nimmt die Schnittstelle zwischen Forschungsprojekt und beteiligten Praxisorganisationen in den Blick und welche Rolle sie beim Wissenstransfer spielt. Gegenstand des dritten Beitrags ist das Konfliktmanagement. Es skizziert mögliche Umgangsformen mit Konflikten und geht etwas ausführlicher auf das Harvard-Negotiation-Konzept als kollaborative Form des Konfliktmanagements ein.


4. Lesestoff: Über die Kraft des Visuellen in integrativen Prozessen: "Co-Create - Das Visualisierungsbuch" von Mathias Weitbrecht

„Visualisierung ist zur Schlüsselmethode für Veranstaltungen, Prozessgestaltung und Präsentation geworden.“ So ist es auf der eigens gestalteten Webseite (www.das-visualisierungs-buch.de) zu lesen, die das bereits im letzten Jahr von Mathias Weitbrecht veröffentlichte Buch mit dem Titel „Co-Create! Das Visualisierungsbuch“ bewirbt.

Weitbrecht beschreibt sich selbst als Graphic Facilitator und Graphic Recorder und gehört somit zu jenen „Visualisierungsprofis“, die in einem bestimmten Beratungssegment  immer häufiger  gebucht werden, um komplexe Zusammenhänge mit einfachen Mitteln verständlich zu machen. Im Ergebnis entstehen meist großformatige, vielfarbig gestaltete Visualisierungen, die das Gesagte und Vorgetragene in eine bildliche Synthese kleiden.

Visualisierung ist weder Kunst noch Illustration. Diese eigene Disziplin kann mehr als nur Gesagtes bildlich widerzugeben. Die Fähigkeit des Synthetisierens und Vereinfachens macht Visualisierung zu einem interessanten methodischen Baustein auch und gerade in transdisziplinären Projekten, da die Bildsprache als universelle „Brückensprache“ fungieren kann.

Was kann Visualisierung in meinem Projekt bewirken?

Dass Visualisierungstechniken auch im Rahmen von Arbeitsprozessen und Projekten sinnvoll eingesetzt werden können, dafür plädiert dieses Buch. Nach einem einführenden Teil über den Nutzen von Visualisierungen, beschreibt das Buch verschiedene Visualisierungsansätze und führt in einem weiteren Kapitel auch die vom Ausführenden dafür erforderlichen Fertigkeiten aus. Visualisierung kann damit beispielsweise in etablierte Meeting-, Veränderungs- oder Prozess-Strukturen eingebracht werden.

Dokumentations- (Graphic Recording) und visuelle Prozess-Methoden und viele weitere werden vorgestellt. Das Buch schlägt die Brücke zwischen Lern- bzw. Praxis-Handbuch, Werk des theoretischen Hintergrunds und verschiedenen beruflichen Disziplinen. Es liefert sowohl einen soliden fachlichen Hintergrund als auch die praktische Verknüpfung zum jeweiligen Anwendungsfeld.

5. Medienecho

>> 25/10/2016 +++ render +++ Projekt "Render": Jetzt wird's konkret mit der Energiewende (Aachener Zeitung)
>> 11/10/2016 +++ REGIOBRANDING +++ Einfach abwarten funktioniert nicht (Norddeutsche Rundschau)
>> 06/10/2016 +++ AUFWERTEN +++ Die Macht der Bäume und ihr Nutzen für Menschen (Lausitzer Rundschau)
>> 05/10/2016 +++ EnAHRgie +++ Wege einer nachhaltigen Landnutzung und Energieversorgung im Kreis Ahrweiler (Blick aktuell)
>> 04/10/2016 +++ EnAHRgie +++ Bundesforschungsprojekt EnAHRgie: Bestandsaufnahme (Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler)
>> 03/10/2016 +++ APV-RESOLA +++ Oben Sonne, unten Getreide (Deutschlandfunk)
>> 27/09/2016 +++ render +++ „Regionaler Dialog Energiewende“: Private Anlagen selten rentable (Aachener Zeitung)
>> 16/09/2016 +++ REGIOBRANDING +++ Forscherteam sucht Markenzeichen (Norddeutsche Rundschau)
>> 07/09/2016 +++ APV-RESOLA +++ Energiewende: Strom und Gemüse vom selben Feld (ARD "plusminus")
>> 26/08/2016 +++ EnAHRgie +++ Vorreiter in Sachen Energiewende (Wirtschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz)
>> 23/08/2016 +++ REGIOBRANDING +++ Regiobranding: Zukunftschance für ländlichen Raum (NDR 1 Radio MV)
>> 09/06/2016 +++ REGIOBRANDING +++ Brücke in die Zukunft schlagen (Wilstersche Zeitung)

6. Publikationen

  • Eismann, C.; Schön, S.; Wendt-Schwarzburg, H.; Ansmann, T. (2016): Transdisziplinäres Arbeiten I - Erwartungsmanagement. Service-Reihe des BMBF-Förderschwerpunkts „Innovationsgruppen für ein Nachhaltiges Landmanagement“, inter 3 Institut für Ressourcenmanagement, Berlin. [Link zur Publikation]

  • Eismann, C.; Schön, S.; Wendt-Schwarzburg, H.; Ansmann, T. (2016): Transdisziplinäres Arbeiten II - Schnittstellen zwischen Organisation und Projekt. Service-Reihe des BMBF-Förderschwerpunkts „Innovationsgruppen für ein Nachhaltiges Landmanagement“, inter 3 Institut für Ressourcenmanagement, Berlin. [Link zur Publikation]

  • Eismann, C.; Schön, S.; Wendt-Schwarzburg, H.; Ansmann, T. (2016): Transdisziplinäres Arbeiten III - Konfliktmanagement. Service-Reihe des BMBF-Förderschwerpunkts „Innovationsgruppen für ein Nachhaltiges Landmanagement“, inter 3 Institut für Ressourcenmanagement, Berlin. [Link zur Publikation]

  • INOLA-Webpublikation: "Ein Blick in die Zukunft: wie können sich die EWO-Landkreise entwickeln?" [Link zur Publikation]

  • INOLA-Webpublikation: "Ist-Stand: Aktuelle Strom-und Wärmeproduktion in der Region „Energiewende Oberland“ mit Erneuerbaren Energien" [Link zur Publikation]

  • Kempa, D. (2016): Regiobranding: Ein transdisziplinärer Blick auf regionale Kulturlandschaften. In: DGGL (Hrsg.): Landschaftskultur - Zwischen Bewahrung und Entwicklung. DGGL-Themenbuch 11:50-54, Callwey, München.Schaffert, M.; Steensen, T.; Wenger, F.C. (2016): Landbedeckungsveränderungen in der Metropolregion Hamburg (1990-2006). Ein räumlich-zeitlicher Vergleich als Beitrag zur Charakterisierung von Kulturlandschaften, Flächenmanagement und Bodenordnung (FUB) 4/2016, S. 149-159.

  • Schmidt C., Etterer, F. et al. (2016): Neue Ansätze der Kompensation von Eingriffen Produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen (PIK) 1. Zwischenbericht [Link zur Publikation]

  • Schön,S.; Eismann, C.; Ansmann, T.; Wendt-Schwarzburg, H. (2016): Transdisziplinäre Lösungen, Reifegrade und Wirkungskategorien. Arbeitspapier des Wissenschaftlichen Begleitvorhabens. inter 3 Institut für Ressourcenmanagement: Berlin [Link zur Publikation]

7. Ausschreibungen

  • Richtlinie zur Fördermaßnahme "Innovationsräume Bioökonomie" im Rahmen der "Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030".
    Bundesanzeiger vom 21.09.2016

https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-1250.html

  • Richtlinie zur Förderung eines Ideenwettbewerbs "Neue Formate der Kommunikation und Partizipation in der Bioökonomie".
    Bundesanzeiger vom 20.09.2016
    https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-1249.html

  • Pre-Announcement: A Multilateral Joint Call for Proposals on Transformations to Sustainability (T2S)
    T2S is a new funding programme for international, transdisciplinary projects addressing transformations to sustainability initiated by the Belmont Forum and NORFACE network.

    Call themes:

1. Governance and institutional dimensions of transformations to sustainability
2.  Economy and finance of transformations to sustainability
3.  Well-being, quality of life, identity, and social and cultural values in relation to transformations to sustainability


The official Launch of the Call for Outline Proposals is expected to be released in December 2016. More information will then be available on the NORFACE website and Belmont Forum website.

8. Termine

24.11.2016
[Intern] Zwischen Strategie und sozialem Prozess: Neue Impulse für die Kommunikation von Projekten“ Weiterbildungsseminar der Innovationsgruppen
Veranstalter: INOLA
München
24.11.-25.11.2016
9. Deutscher Nachhaltigkeitstag
Veranstalter: Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V.
Düsseldorf
30.11.-01.12.2016
5. Forum Agroforstsysteme: Bäume von der Land(wirt)schaft – Von der Theorie in die Praxis
Veranstalter: AUFWERTEN
Senftenberg (OT Vrieske)
24.03.2017
Vollversammlung stadt PARTHE land
Veranstalter: stadt PARTHE land
TBA
17.05.-19.05.2017
Dresden Nexus Conference
Veranstalter: UNU Flores, TU Dresden, Leibniz Institute of  Ecological Urban and Regional Development
Dresden
14.06.-17.06.2017
European Rural Geographies Conference 2017
Veranstalter: Thüne Institute of Rural Studies
Braunschweig





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Impressum


Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) Müncheberg e.V.
eingetragen im Vereinsregister VR 35 35 FF, Kreisgericht Strausberg
Prof. Dr. Frank Ewert | Wissenschaftlicher Direktor
Cornelia Braun-Becker | Verwaltungsdirektorin

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+49 (0) 33432-82 403  

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